Eingewöhnungsphase

In der Fachpraxis existieren unterschiedliche Eingewöhnungsmodelle, wie beispielsweise das Berliner oder das Münchner Modell, in denen recht exakte Zeitvorgaben für die einzelnen Phasen der Eingewöhnung festgelegt werden. Diese gelten gleichermaßen für jedes Kind. Im Vorkindergarten findet hingegen eine individuelle, auf die spezifischen Bedürfnisse des einzelnen Kindes abgestimmte Eingewöhnung statt. Einer unserer Grundsätze in der Eingewöhnungszeit ist, dass jedes Kind die Zeit bekommt, die es für das Ankommen in unserem Vorkindergarten benötigt. Das Team versucht insbesondere in dieser Phase, flexibel auf die aktuellen Bedürfnisse des Kindes und/oder der Eltern einzugehen.

Bevor die Eingewöhnung startet, findet zunächst das Aufnahmegespräch mit unserer Leitung Frau Steinforth statt, in dem erste Informationen ausgetauscht werden und der Vertragsabschluss stattfindet. Vor jedem neuen Kindergartenjahr wird ein Elternabend für die neuen Eltern angeboten und etwa vier bis sechs Wochen bevor die Eingewöhnung beginnt, findet ein Erstgespräch mit den Eltern, dem Kind und mit mindestens zwei ErzieherInnen statt. Dabei steht der Austausch mitei­nander und das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund.

Auch in unserer Einrichtung ist die Eingewöhnung in mehrere Phasen unterteilt und dauert in der Regel ca. vier bis sechs Wochen.

Phase 1 – Kennenlernphase
In den ersten sechs Tagen kommt die Bezugsperson, meist die Mutter oder der Vater, mit dem Kind für eine Stunde in den je­weiligen Gruppenraum. Die Fachkräfte be­obachten das Verhalten des Kindes genau, um die individuellen Interessen herauszufinden und versuchen Kontakt auf­zunehmen und aufzubauen.

Phase 2 – Trennungsphase
Ab dem siebten Tag erfolgt ein erster Trennungsversuch, wenn sich das Kind im Gruppen­raum gut von seiner Mama beziehungsweise seinem Papa lösen kann und den Raum selbstständig erkundet und spielt. Nach kurzer Absprache zwischen Bezugsperson und Fachkraft findet die Verabschiedung statt. Die ErzieherInnen be­obachten genau das Verhalten des Kindes und reagieren auf dessen Bedürfnisse (beruhigen, trösten).

a) Ist das Kind in dieser Zeit interessiert an seiner Umwelt und lässt sich beruhigen, kann die Bezugsperson es nach der vorher vereinbarten Zeit abholen.

In den nächsten Tagen wird die Trennungszeit gefestigt.

b) Lässt sich das Kind nach der Trennung nicht trösten, wird die Bezugsper­son wieder geholt und der Trennungsversuch wird abgebrochen. Die ErzieherInnen besprechen mit der Bezugsperson den weiteren Verlauf der Eingewöhnung.

In dieser ersten Trennungszeit bleibt die Bezugsperson im Vorkindergarten. Eine Fachkraft informiert sie in regelmäßigen Abständen, wie es ihrem Kind geht.

Phase 3 -  Stabilisierungs- und Schlussphase
In dieser Zeit festigen die ErzieherInnen die Bindung zum Kind und übernehmen immer mehr seine Versorgung (Begleitung beim Essen, wickeln…). Die Trennungszeit wird jeden Tag ver­längert, wenn das Kind Vertrauen zu den Fachkräften aufgebaut hat und auf die Trennungen gelassen reagiert. Wenn das Kind den Vormittag sicher meistert, kann es im Vorkindergarten schlafen.

Die Eingewöhnung kann als abgeschlossen angesehen werden, wenn das Kind die ErzieherInnen als weitere Bezugsperson akzeptiert und den Tag bis 15 Uhr gut schafft.

Für uns, das Team des Vorkindergartens, ist die Eingewöhnungsphase immer eine sehr besondere, aufregende und gleichzeitig intensive Zeit. Doch so herausfordernd Eingewöhnungen sein können – sie geben uns auch immer wieder sehr viel Energie für die alltägliche Arbeit mit den Kindern. Einen so intensiven Blick auf einen neuen Menschen werfen zu können, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Es ist großartig zu erleben, wie ein Kind in der Gruppe ankommt, Freunde findet, wie es sich weiterentwickelt und Übergänge überwindet.